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"Mir war alles egal"

Udo Stark und seine Praktikantin Julia Küppenbender. Foto: Lenz
(mo) Vor fünf Jahren war Udo Stark ganz unten. „Der Alkohol hat mich kaputt gemacht", erinnert sich der 55-Jährige. 10 bis 14 Flaschen Bier und eine Flasche Korn waren keine Seltenheit. Hatte Stark schlecht geschlafen, ging es bereits morgens zum Frühstück los. Das Ende einer langen Trinkerkarriere war nahe. „Die Familie und meine Freunde haben sich distanziert, aber mir war alles egal", beschreibt der arbeitslose Wegberger den Tiefpunkt seines Lebens.
Heute ist Stark trocken und hat eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen, die im Wegberger Raum vielen alkoholkranken Menschen eine Anlaufstelle bietet. „Vielleicht liegt es daran, dass ich den richtigen Draht zu ihnen finde. Ich spreche ja aus eigener Erfahrung. Da gibt es keine Distanz", vermutet Stark, der nach einer dreiwöchigen Therapie den eisernen Willen gefunden hat, dem Alkohol abzuschwören.
Für den Frührentner sind die Selbsthilfegruppen, die er in Schaufenberg und Wegberg anbietet, zur Lebensaufgabe geworden. Oftmals ist es ein 24-Stunden-Job. „Manche rufen mich auch abends an. Dann versuche ich zu helfen", erklärt der Vater einer 26-jährigen Tochter, die ihm Kraft gegeben hat. „Sie und meine Frau haben mich in der Therapie besucht und mir die Stange gehalten. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar."
Die Selbsthilfegruppe ist eine Anlaufstelle für trockene, aber auch rückfällige Alkoholiker. Es gibt nur eine eiserne Regel: Gruppenbesuche sind nur möglich, wenn kein Alkohol im Spiel ist. Die Gruppe besteht aus Alkoholikern im Alter von 21 bis 58 Jahren. Auch die Herkunft der Teilnehmer ist bunt gemischt. „Wir haben sogar eine Sozialpädagogin dabei", so Stark. Alkohol sei ein Problem in allen Schichten.
Neben den Gruppen plant Stark aber auch Veranstaltungen für einen guten Zweck. Beim Sommerfest sammelte der 55-Jährige 617 Euro für den „Kleinst-Heim-Verband", der Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen unterstützt. Am 3. Oktober plant Stark ein „trockenes" Oktoberfest in Schaufenberg - vielleicht mit prominenter Unterstützung. Neben Bürgermeisterin Hedwig Klein hat Stark auch überregional seine Fühler ausgestreckt. „Vielleicht kommt Norbert Blüm", hofft Stark und steckt mitten in den Verhandlungen. Und wer mit einem eisernen Willen die Sucht gemeistert hat, der schafft es auch, den ehemaligen Arbeitsminister nach Schaufenberg zu holen...