
Super Sonntag 28.08.2011
Hückelhovener Udo Stark stellt ein aufwühlendes Buch-Manuskript vor
Hückelhoven. Lebenslanger Kampf gegen die Alkoholsucht.

Lange Zeit war es ruhig geworden um Udo Stark: Der Hückelhovener, engagierter Verfechter des Selbsthilfe-Prinzips im Kampf gegen die Alkoholsucht und Gründer der Delphin-Selbsthilfegruppen, hatte Deutschland den Rücken gekehrt.
„Einem Menschen mit meiner Vergangenheit gibt man hier einfach keine Chance, einmal Alkoholiker immer Alkoholiker“, so seine Begründung für den Versuch, im sonnigen Spanien im Leben wieder Fuß zu fassen. Jetzt meldet sich der mittlerweile 59-Jährige zurück in seiner Heimatstadt und stellt ein Manuskript für ein ungewöhnliches Buch vor. Unter dem Arbeitstitel „Ein harter Hund“ hat Udo Stark seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Eine aufwühlende Geschichte um die Abgründe rund um die Sucht, um die ersten Trinker-Anfänge mit bereits 14 Jahren und vor allen Dingen eine schonungslose Abrechnung mit sich selbst. Denn Schuldzuweisungen wird man in dem autobiographischen Werk vergeblich suchen. „Ich habe gesoffen“, stellt er mit Nachdruck fest, „dafür bin ich verantwortlich, das war meine Entscheidung, dafür kann ich weder meinem Vater noch meiner Mutter noch anderen die Schuld geben“.
Für ihn ist diese Erkenntnis eine wichtige Grundlage im Bemühen, vom Alkohol weg zu kommen. Genauso wie seine Aufforderung an Betroffene, sich ihre Sucht einzugestehen und selbst aktiv zu werden. Dabei weiß er aus eigener Erfahrung. dass es keinen leichten Weg und kein Patentrezept gibt. „Jeder“, so sagt Stark, „muss seinen eigenen Weg finden“. Und jedem müsse auch eins klar sein: „Alkohol ist keine Grippe, die weggeht, Alkohol ist eine Krankheit, mit der ich ein Leben lang zu kämpfen habe.“
Mit seiner Geschichte möchte er aber nicht nur zeigen, wie mit Hilfe von Selbsthilfegruppen, im Verbund mit anderen Betroffenen und mit Angehörigen das Problem Alkohol in den Griff zu bekommen ist. Udo Stark möchte vor allen Dingen junge Leute warnen. „Ich habe über 25 Jahre meines Lebens vor die Wand geschmissen, ich war ganz tief, ich war ein Nichts, ein Schatten. Heute bin ich trockener Alkoholiker, mit irreparablen körperlichen Schäden. Und ich werde bis zu meinem Tod von anderen Menschen finanziell abhängig sein. Ich frage junge Leute: Möchtet ihr da wirklich hin? Denkt jetzt darüber nach, nicht erst mit 40 oder 50, dann ist es zu spät, dann ist der Körper kaputt und die Rente versoffen.“
Udo Stark hofft, dass die drastischen Worte ankommen. Denn, so seine Einschätzung: „Alkohol ist in Ordnung, aber nur für den, der da mit umgehen kann. Für den, der mit Alkohol nicht umgehen kann, ist er tödlich.“
Der Hückelhovener hofft jetzt, einen Verlag für sein Manuskript zu finden. In der Zwischenzeit bleibt er nicht untätig: Immerhin hat er auch in Benidorm bereits eine Selbsthilfegruppe gegründet, die er weiter voranbringen möchte.
Und ein zweites Buch hat er ebenfalls schon in Planung. Arbeitstitel: „Ich bin wieder da“. Warum das alles? „Wenn ich nur einen mit meiner Geschichte erreiche“, betont Udo Stark, „dann hat sich schon alles gelohnt“. (ferdi) Super Sonntag 28.08.2011